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Hunger

 

Es gibt mehr als sechs Milliarden Menschen auf dieser Welt. Von diesen sechs Milliarden Menschen hat ungefähr eine Milliarde ein gutes bis ziemlich gutes Leben in materiellem Sinne. Dies sind die Menschen die die reichen Teile des nördlichen Halbrundes der Erde bewohnen, wie die Vereinigten Staaten und Europa. Die meisten dieser Bewohner können es sich leisten, zu arbeiten um leben zu können. Von den übrigen fünf Milliarden können sich mehr als vier Milliarden nur mühsam über Wasser halten. Sie leben um zu arbeiten, und wenn sie dies nicht täten, würden sie sterben.
Und dann gibt es noch, nach Angaben der Welt Ernährungs- Organisation der Vereinigten Nationen, mehr als achthundert Millionen Menschen die weder arbeiten noch leben können. Sie können nur abwarten. Bis es Nahrung gibt. Sie leben in Gebieten wo die örtlichen Machthaber, oft von westlichen Regierungen unterstützt, ihre Kriege über die Häupter ihrer Bürger hinweg ausfechten. Dort sterben sie- das eine Jahr zu Tausenden, das andere Jahr zu Hunderttausenden- den Hungertod. Und all das während in den letzten fünf, sechs Jahren wieder soviel Nahrung produziert wird, daß europäische Bauern dafür bezahlt bekommen, die Produktion  einzustellen.
Es ist von Jahr zu Jahr einigermaßen verschieden, aber durchschnittlich wird 10%- 15% des europäischen Landwirtschaft-Areals aus der Produktion genommen. Dies nennt man in europäischen Jargon die ¨Brachliegeregelung¨. Diese Vorkehrung dient nur einem Zweck: den Getreidepreis absichern.

Auf diese Art und Weise wird nicht nur in Europa einböses Spiel gespielt. Die Getreide- und Sojapreise erreichten in den Jahren ´98 und ´99 historische Tiefpunkte. Dies war die Folge verschiedener Umstände. Mehr oder weniger zeitlich  günstige Klimaveränderungen bewirkten durch die günstige Wetterlage rekordmäßige Ernten in den großen, Getreide produzierenden Gebieten. Die Einführung genetisch manipulierten. Pflanzenmaterials sorgte ebenfalls für eine Produktionssteigerung. Überall auf der Welt sind die Lagerräume für Getreide und Sojabohnen überfüllt. In manchen Teilen Amerikas war die Ernte derart übermäßig daß man das Getreide unter freien Himmel lagern mußte.

Dieses Getreide sollte übrigens nicht zu Brot verarbeitet werden. Siebzig Prozent der Getreideerzeugnisse wird als Futter zur Fleischproduktion verwendet. Um ein Kilo Fleisch zu erzeugen muß eine Kuh sieben Kilo Getreide verarbeiten. Für ein Kilo Milch braucht man drei Kilo Getreide.
Die Vereinigten Staaten haben die Subventionierung der Bauern kräftig eingeschränkt. So schien es zumindest anfangs. Mit der Verabschiedung des ¨Freedom to Farm¨ Gesetztes wurde bis zum Jahre 2002  eine Übergangsperiode kreiert. Bis zum diesem Jahre erhielten die Bauern noch einen jährlich abnehmenden Zuschuß. Danach mußten sie sich selbstständig über Wasser halten können.

Zur Zeit der Verabschiedung dieses Gesetzes in 1996 gab es noch keinen amerikanischen Bauern der sich darüber beschwert hätte. Die Getreide- und Sojapreise waren sehr hoch und als Notgroschen konnte man ja immer noch diesen Abbauzuschuß des ¨Freedom to Farm¨- Gesetzes einkassieren. Drei Jahre später jedochertöntenbereits die Verzweiflungsrufe der Bauern wegen der niedrigen Preise bis ins Capitol Hill. Dort wofürdie normale Wirtschaft das ¨Gute Zeiten- Schlechte Zeitengesetz¨ galt, machte der amerikanische Senat für die Bauern erneut eine Ausnahme. Als Ausgleich für die niedrigen Preise und weil es einige Wochen nicht geregnet hatte, wurden $ 7,1 Milliarden Dollar für die Bauern beiseite gelegt.

Sogar wenn sie gesetzlich festgelegt sind, lösen sich Grundsätze und gute Vornehmen überall auf der Welt wie Schnee vor der Sonne auf sobald sich Wahlen ankündigen. So auch in den Vereinigten Staaten wo in November 2000 Präsidentswahlen gehalten wurden.

Die amerikanischen Senatoren fanden den Milliardenzeschuß dieses Sommers für die Bauern wirtschaftlich absolut vertretbar. Schießlich betraf es hier nur eine zeitliche Notmaßnahme die dem Entschluß, die Landwirtschaftssubventionen abzuschaffen, keineswegs entgegenwirkte.

Der Zuschuß für die amerikanischen Bauern ist mehr als bitter. Während sie nicht wissen, wo sie ihr Getreide uns Soja lassen sollen, sterben auf der anderen Seite des Atlantischen Ozeans in Afrika Hunderttausende von Menschen den Hungertod.
Der Vorschlag, um die amerikanischen Überschüsse nach Afrika zu verschiffen, wurde verworfen mit der Begründigung, der Transport sei zu teuer.
Aber inzwischen mehr als $ 7 Milliarden Dollar ausgeben an zeitlichen Zuschüssen für ein Gewerbe, was sowieso bereits finanziell verpäppelt wird, während man noch nicht einmal ein paar Millionen Dollar freimachen kann für einige Getreidetransportschiffe?

Die Lagerhäuser der Welt überfüllen sich von Zeit zu Zeit mit Milchpuder und Butter, was die Preise dann wieder stark beeinflusst.  Die Preise stürzen dann oft sehr stark. Aber die Überschüsse - denn das sind es-dazu benützen um den Hunger auf der Welt zu bekämpfen?. Aber nicht doch. Wir lassen noch lieber das Haltbarkeitsdatum verstreichen um den Überschuß noch als Viehfutter verwenden zu können.

So wird nun im reichen Westen unsere Nahrung umhergeschleust in einen System dessen Treibstoff die Zuschüsse sind.

 
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