H5N1-Virus
Heutzutage haben es die Bewohner ländlicher Gebiete gar nicht so leicht. Und schon ganz und gar nicht wenn sie sich einige Hühner halten: oftmals einen Hahn und 2 Hühner. Zugegeben: nur zwei Hühner sind für einen Hahn etwas wenig, aber ursprünglich waren es ja auch vier. Die Hälfte starb vorigen Sommer eines natürlichen Todes - vermutlich durch einen Fuchs. Denn alles, was nach einigem Suchen unter dem Dach gefunden wurde, war ein Häufchen Federn.
Seither laufen die Hühner aus unserem Beispiel in einem großzügig bemessenen Hühnerstall mit Freigehege. Drinnen, weil abgeschirmt von den Füchsen, und doch draußen, da es nicht überdacht ist. Das Ministerium für Landwirtschaft, Natur und Lebensmittelqualität gestattet das jedoch nicht mehr. Um die gewerbliche Hühnerzucht zu retten, muss, wenn der Wind aus dem Osten weht, alles was Federn hat, hinter Schloss und Riegel. Weiterhin wollen die Schutzherren und -frauen von der Bio-Industrie, dass all diejenigen, die ihre Hühner aus Liebhaberei halten, verpflichtet werden, diese gegen das H5N1-Virus zu impfen.
Ob dieses im Kampf gegen das Virus zweckmäßig ist, ist allerdings noch sehr fraglich. Einsperren erscheint nur als sinnvolle Maßnahme, ist es aber de facto nicht. Der übergroße Teil des in den Niederlanden gehaltenen Federviehs ist nämlich schon längst eingesperrt. Was heißt hier eigentlich Federvieh? Dieses Vieh hat Federn und es gackert. Aber damit endet schon der Vergleich zwischen wirklichen Hühnern und Küken.
Die Bioindustrie hat in ihren Ställen das Geflügel nicht nur durch das Wegbrennen der Schnäbel und des Stutzen der Flügel mißgestaltet, auch das an die äußerste Grenze getriebene Zuchtprogramm sorgt darüber hinaus dafür, dass jegliche genetische Artenvielfalt, und damit jede Widerstandsfähigkeit aus der Sorte aussortiert wird.
Um zu verhindern, dass die gerschwächten Hühner und Hühnchen frühzeitig an eigentlich ganz harmlosen Krankheiten sterben, wird ihnen eine großzügige Antibiotikadiät verpasst. Das H5N1 Virus lacht aber bloß darüber. Antibiotika hilft gegen Bakterien, nicht aber gegen Viren. Die Millionen wehrlos gemachten Hühner und Hühnchen wirken darum auf dieses auch für den Menschen gefährliche Virus als ein Magnet.
Die Geflügelhöfe, welche die Behörden durch die gesetzliche Einsperrpflicht versuchen zu schützen, halten aber inzwischen selber Haus der offenen Tür. Ein durchschnittlicher Betrieb umfasst zirka 24.000 Legehühner oder etwa 40.000 Masthühnchen, die außer Futter, frischem Wasser und Antibiotika auch noch frische Luft benötigen.
Darum ist am Ende jedes Stalles ein großer Ventilator angebracht, der zu bestimmten Zeiten die Luft samt Viren nach innen zieht. Einmal drinnen, benutzt der Krankheitserreger das gackernde Geflügel als Nährboden, um sich fortzupflanzen. Mit großem Dank an den jeweiligen Züchter lässt sich der inzwischen fettgemässtete Virus dann wieder am anderen Ende des Stalles nach draußen blasen und macht sich dann schnell auf zum Nachbarn, wo schon der nächste Ventilator in die gute Stube einlädt.
Als ob diese Art und Weise der Virusverbreitung noch nicht genug wäre, lässt die Bioindustrie Hühner und deren Produkte solange durch die Weltgeschichte transportieren, bis ganz eindeutig feststeht muß, dass sich das Virus eingenistet hat. Und das Virus schleckt sich sein Maul.
Unter diesen Umständen ergibt sich nicht die Frage ob, sondern nur wann das Virus zuschlägt. Darum ist das Einsperren der Hühner von Hobbyisten vor allem eine symbolische Maßnahme. Zumal ein normales, gesundes, widerstandfähiges Huhn sich von dem Virus höchstens einen Schnupfen holt.
Vielleicht kommen dabei doch einige Hühner um. Das nennt man dann natürliche Selektion, die dazu dient, die Sorte zu stärken. Aber diese natürliche Auslese geht der Geflügelfarmbranche zu langsam.
Die heutige Einsperrpflicht ist darüber hinaus lächerlich. Hühner dürfen sich nach draußen begeben, wenn sie nur unter einem Dach bleiben, auch wenn das nur aus einer Plastikplane besteht. Als ob das Virus sich ausschließlich von oben nach unten, also nur senkrecht versbreiten würde.
Doch werden in unserem Beispiel die Hühner ganz brav, wenn auch zähneknirschend eingesperrt. Ihre Besitzer rackern sich mit großen Plastikplanen ab und behalten gut im Auge, was sich nur zwei Wiesen weiter abspielt. Dort stehen ein paar Mastbetriebe. Wenn da das Virus auftaucht, wird auch sämtliches Federvieh im Dorf abgeholt und getötet, selbst wenn es kerngesund ist.
Dieser Gedanke erschreckt jedermann.
Aber dabei bleibt es dann auch. Schon wie beim letzten Mal rätselt man herum, wie man seine Hühner wieder untertauchen lassen könnte. Aber genauso wie beim letzten Mal bleibt es auch dieses Mal beim Schmieden von Plänen. Wenn die Zeit erreicht ist und die Hühnerpolizei des Landwirtschaftsministeriums kommt, dann werden die Zweibeiner, denen ganz und gar nichts fehlt, wieder brav zum Abschlachten gegeben.
Der Bürger beugt sich immer noch vor den Bauern. Nicht nur auf dem Lande. Auch in Den Haag und Brüssel wird immer noch der Hut gezogen vor der weiterhin einflussreichen Grünen Front.
Die Belange der Grünen Front, in diesem Fall des Geflügelsektors, geht über alles, obzwar er gar nicht so groß ist. Nach den Ergebnissen der Wirtschaftsgruppe „Vieh, Fleisch und Eiern“ besteht der ganze Betriebszweig insgesamt aus nur 1247 Betrieben, die allerdings zusammen 30 Millionen Legehühner halten.
Dann gab es letztes Jahr noch 740 Mastbetriebe mit einer Kapazität von 27,4 Millionen Küken die in nur 6 Wochen von ein paar Gramm bis auf mehr als 2 kg gemästet werden. Über ein ganzes Jahr hin gerechnet geht es also, die für jeden Zyklus planmäßige Pause einkalkuliert, um mehr als 230 Millionen Küken.
Das bedeutet, dass, von weniger als 2000 Unternehmen, pro Jahr mehr als 230 Millionen Tiere misshandelt werden, dass im Falle eines Virusausbruchs große Teile des öffentlichen Lebens auf den Kopf gestellt werden und wir das Risiko laufen, dass die befürchtete Grippe-Epidemie genau hier anfängt.
Es ist höchste Zeit für Maßnahmen, die wirklich etwas ausrichten: Stoppet die bio-industrielle Geflügelzucht.
Unverzüglich. Ehe das Virus zuschlägt.
Wenn eben möglich, bevor das Virus um sich greift. |